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14.05.2004

Viel Arbeit mit UPS: Harry Roggow

Foto: ver.di



United Parcel Service (UPS)

Knallharter Arbeitgeber

Der US-Logistikdienstleister UPS gehört weltweit zu den größten Branchenvertretern. Dabei ist sein Gebaren gegenüber den Beschäftigten in Deutschland aus Sicht von ver.di teilweise skandalös. Mit ver.di-Betreuungssekretär Harry Roggow sprach Jan Jurczyk.

bewegen l Gewerkschaftlich engagierte Beschäftigte haben es bei UPS schwer. Woran liegt das?

Harry Roggow l Der Paketauslieferer UPS Inc. wird als typisch amerikanischer Laden geführt. Das Management ist streng auf die Firma eingeschworen. Wer sich diesen Strukturen bis zur Selbstaufgabe unterwirft, mag Aufstiegschancen haben. Ob dies dann tatsächlich gelingt, sei dahingestellt. Allerdings muss derjenige auf viele seiner Rechte verzichten. Wer seine Rechte preisgibt, kann nicht damit rechnen, sie später wahrnehmen zu dürfen.

bewegen l Wie hat man sich das praktisch vorzustellen?

Harry Roggow l Auf den ersten Blick mag das Klima noch kollegial wirken. Das Management vermittelt gern den Eindruck einer großen Familie, es wird sich geduzt. Gern wird so getan, als zögen alle an einem Strang. Wem dann noch nicht die kleinen Widersprüche im Bild der heilen Welt auffallen, mag sich noch damit abfinden. Viele denken schließlich, „ich könnte ja auf der Straße sitzen.“ Doch wenn klar wird, dass die Interessen der Arbeitnehmer nicht mit denen des Managements identisch sind, wird’s kritisch.

bewegen l Was geschieht dann?

Harry Roggow l Ich hatte eingangs auf die Preisgabe der Rechte verwiesen. Genau das wird im Konfliktfall schwierig. UPS erwartet nämlich, dass sich die Arbeitnehmer gleichsam „in die Hand“ des Arbeitgebers begeben – mit allem Wohl und Wehe. Nun ist fast jedem klar, dass die Interessen eines Arbeitgebers – um es vorsichtig auszudrücken – nicht hundertprozentig mit denen der Arbeitnehmer übereinstimmen. Stichworte: Arbeitszeiten, Entlohnung, Mitbestimmung. Da fängt der Ärger an. Wer dann für seine in Deutschland üblichen Rechte aus dem Grundgesetz und dem Betriebsverfassungsgesetz eintritt, muss mit Ärger rechnen.

bewegen l Wie reagiert UPS?

Harry Roggow l Leider sehr unprofessionell. Eigentlich hat sich hierzulande eine Kultur herausgebildet, die Auseinandersetzungen um die Verhältnisse in einem Unternehmen nur in einem fest umrissenen Rahmen kennt und Streitigkeiten vermeidet, etwa, was Warnstreiks oder Streiks angeht. An dieser Einsicht lässt es UPS fehlen. Es gilt eine rigorose „Herr-im-Hause“-Mentalität, die unserer Rechtstradition widerspricht. Wer für seine Kollegen eintritt, wer als Betriebsrat Positionen gegen den Arbeitgeber bezieht, wer sich gewerkschaftlich organisiert, wird vom Unternehmen leicht als Ausgestoßener behandelt.

bewegen l Merken das die Kollegen?

Harry Roggow l Natürlich, die UPS-Beschäftigten lassen sich nicht für blöd verkaufen. Wenn etwa auf einer Betriebsversammlung plötzlich bestellte Zwischenrufer auftreten oder unbescholtenen Kollegen Sachen untergeschoben werden, merken das auch alle anderen. Das sind Methoden, wie wir sie sonst nur aus irgendwelchen Psychosekten kennen. Das kann jeden treffen. Der Willkür ist damit Tür und Tor geöffnet. Nach solchen Geschichten haben wir den größten Zulauf, weil die Beschäftigten im Notfall unseren ver.di-Rechtsschutz haben wollen. Den kriegen sie natürlich auch.

bewegen l Kann man unter diesen Bedingungen Betriebsratswahlen abhalten?

Harry Roggow l Klar, wenn auch bisweilen nur unter Schwierigkeiten. Und vergnügungssteuerpflichtig ist das auch nicht. In solchen Fällen arbeitet UPS auch mit Drohungen. Aber – das zeigen auch die bisherigen Wahlen – die engagierten Beschäftigten und ver.di lassen sich nicht ins Bockshorn jagen.

bewegen l Haben denn viele nicht Angst, sich für ihre Gewerkschaft zu organisieren?

Harry Roggow l Nein, wenn es hart auf hart kommt, bin ich über den Bekennermut mancher Kollegen wirklich erstaunt. Die bleiben lange ruhig. Aber irgendwann reicht es ihnen, und dann machen plötzlich alle mit. Bei einem großen Teil der Beschäftigten von UPS genießen wir von ver.di Sympathien. Daher bin ich mir auch so sicher, dass sich das in absehbarer Zeit auch im Organisationsgrad niederschlägt. Es wäre nur an der Zeit, dass auch der Arbeitgeber akzeptiert, dass Grund- und Betriebsverfassungsgesetz hier den gleichen Rang genießen wie grundlegende bürgerliche Rechte in den USA.

UPS-Daten

Der Logistikkonzern UPS setzte 2003 weltweit mit 357 000 Beschäftigten 33,5 Milliarden US-Dollar um. In Deutschland arbeiten mehr als 14 000 Arbeitnehmer bei dem Paketdienstleister. Angaben zum Umsatz in Deutschland macht UPS nicht. Zu den Hauptkonkurrenten zählen etwa FedEx sowie die Post-Tochter DHL, die sich in einem scharfen Konkurrenzkampf mit UPS befindet.

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